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Hope streckt die Hand aus.

von Edda

Hope streckt die Hand aus. Man kann tolle Sachen fühlen, wenn man vier Jahre alt ist, alleine vom Kindergarten nach hause läuft und vor sich hin lebt. Hope streckt die Hand aus, fühlt Blätter und Wasser, das in den Ärmel reinläuft.
Elliott soll ins Auto einsteigen, muss aber erstmal außen rum laufen. Könnte ja was Spannendes auf der anderen Seite los sein. Er streckt die Hand aus, fährt am Auto entlang und ist zufrieden. Die Hand ist ganz schwarz. Das ist spannend. Irgendwo im Hintergrund motzt eine Frauenstimme, könnte Mama sein, muss ja aber nicht.
Linus will was bauen: Das größte Schiff der Welt. Er streckt die Hand aus - jemand soll was reinlegen, das man verbauen kann. Hope gibt ihm Hasi. Hasi ist bekanntlich kein Legostein, aber kurz darauf steht das größte Schiff der Welt mitten im Wohnzimmer. Kapitän ist Hasi.
Hope steht in Südafrika am Strand. Spielen! Jetzt! Gar nicht weit entfernt sitzen andere Kinder. Hope streckt die Hand aus. Drin liegt die neu gekaufte Schippe. Von hinten nimmt Mama Anlauf und will eigentlich sagen, dass man doch bitte keine neu gekauften Sachen fremden Kindern in die Hand drücken soll. Mama sieht sich schon mit unbekannten Kindern auf Zulu streiten, das sie gar nicht spricht. Ausnahmsweise hält Mama einfach mal die Klappe und lässt Hope ihre Hand inklusive Lockmittel ausstrecken.
Edda wacht nachts auf und es ist still. Manchmal fühlt es sich nachts so an, als wäre außen rum keine Welt mehr da. Sie streckt die Hand aus und sucht nach Paul. Der hält die Hand fest und Edda schläft wieder ein.
Kinder strecken die Hand ungefähr hundert Mal am Tag aus, konservativ geschätzt. Um zu fühlen, zu halten, zu spüren, zu schubsen oder auch mal, um wem eine Lakritzschnecke abzunehmen. Oft werden sie dabei nass, dreckig, verkratzt, gehalten, willkommen geheißen, kriegen eins übergebraten oder es passiert auch mal gar nichts. Vorher wissen kann man das nicht.
Warum können wir Großen das nicht? Einfach mal ausstrecken und schauen, was dann passiert. Ob jemand was reinlegt oder, ob uns das Wasser in den Ärmel läuft. Beides ok. Jeder redet über die große weite Welt. Die endet aber oft schon auf Armeslänge. Schade, eigentlich.

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