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Death by Chocolate

Von Irina

Allerorts leuchten die Lichter und es gibt Lebkuchen, Schokolade und Weihnachtsplätzchen. Wenn mein Kind den Tag mit Schoko aus dem Adventskalender beginnt und danach nichts mehr frühstücken will, muss ich schon mal schlucken. Da stöhnt die Mamaseite in mir auf, die findet, dass man es bei Süßhunger erstmal mit einem Apfel probieren kann und die manchmal gerne auf komplett zuckerfrei umstellen würde. Aber meistens läuft das so ab: Augenrollen, entnervtes Seufzen und dann kann ich mir mein Obst sonst wohin stecken. Ja, denkt ihr jetzt vielleicht – warum habt ihr den Schokoladenkalender auch gekauft, wenn euch das stört?

Tja, es gibt da noch den anderen Teil in mir, der findet, dass Feste gefeiert werden sollen wie sie fallen. Der sich als Kind mit Süßkram vollgestopft hat, bis alles fast wieder oben raus kam und der auf Rummelplätzen immer noch gerne mit schnellen Sachen fährt. Die zwei Teile streiten oft, und einen Kompromiss zu finden ist nicht wirklich einfach, denn wenn erstmal die Büchse der Pandora (oder der Weihnachtskekse) geöffnet ist, kriegt man sie so leicht nicht wieder zu. Maß zu halten ist manchmal schwerer als Askese. Das ist bei mir selbst nicht anders.

Der Grund, warum ich meinem Kind auf dem Weihnachtsmarkt trotzdem Lebkuchenherzen kaufe, nach denen es keinen Hunger mehr auf „was Richtiges“ hat oder 17 Karussell-Fahrten erlaube, ist, weil ich will, dass sie lernt, dass man bei manchen Gelegenheiten richtig Gas geben kann. Als Kind habe ich Feste geliebt. Seien es die Partys meiner Eltern, Fasching, wo ich regelmäßig krank war und dann mit Masern als Katze verkleidet auf dem Sofa den Fastnachtszug angeschaut habe. Oder Weihnachten, Ostern, Geburtstage und alles, was dazwischen kam. Ich liebe es noch immer: laute Musik, hämmernde Bässe, theoretisch Hochzeiten, wo Polka gespielt wird (leider war ich noch auf keiner).

Denn ich finde, dass man auch mal an Grenzen gehen muss. Klar müssen Kinder lernen, Maß zu halten und auf sich aufzupassen. Aber ebenso müssen sie lernen, dass sich nach Extremen das Maß oft wieder von selbst einpendelt. Nach zuviel Süßem kommt irgendwann die Lust auf ein Stück Gurke. Nach drei Tagen Weihnachtsessen sind schnöde Pellkartoffeln mit Quark der Hammer. Und ja, manchmal stellt man auch fest, dass die Übelkeit nach der dritten Runde im Fahrgeschäft der Lust auf Currywurst Platz macht und es dann richtig losgehen kann. Auch eine Erkenntnis.

Mein Kind soll lernen, wie man Feste feiert, wie man was genießt und es sich gut gehen lässt - weil das Leben nämlich zu kurz ist, um nur auf der Bremse zu stehen. Ich will, dass es sich auf solche Gelegenheiten freut und weiß, dass sich die Vorbereitungszeit lohnt, weil Plätzchenbacken auch bedeutet, dass man vom Teig naschen kann. Dass Weihnachtsbaumschmücken heißt, dass irgendwann was drunter liegt, und Partyvorbereitungen, dass viele liebe Leute zu Besuch kommen werden. Dass sich der Aufwand lohnt, weil es danach ein tolles Fest gibt. Und danach, wenn alles aufgeräumt ist, der normale Alltag auch mal wieder schön ist.

In dem Sinne: ein Hoch aufs Weihnachtsfest und alles, was danach kommt. Lasst es krachen, rutscht gut ins neue Jahr – wir lesen uns im Januar wieder!

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